Trennung, Scheidung - oder doch zusammen bleiben?
In jeder Paarbeziehung kann ein Punkt erreicht werden, wo die Partner allein nicht mehr weiterwissen. Ob Sprachlosigkeit oder Konflikte - beides kann über längere Zeit einen kaum erträglichen Leidensdruck verursachen. Da schwindet die Lebensfreude und die Leistungsfähigkeit nimmt ab, die Kinder - falls vorhanden - spüren, dass etwas nicht stimmt und reagieren mit Schulproblemen, Hyperaktivität oder anderen Symptomen und die Partnerschaft kann zu einem Gefängnis werden mit dicken Mauern, die das "wahre Leben" von den Insassen wirksam fernhalten.
In diesem Stadium ist es höchste Zeit, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Das kann geschehen, indem die Partner sich an eine Familien- oder Eheberatungsstelle oder einen guten Therapeuten wenden, wo ihnen geholfen wird, ihren Wust von Missverständnissen und ungelösten Problemen auseinanderzuklauben.
Neuer Aufbau auf bewährter Basis
In solchen Situationen ist auch der Gedanke an Trennung nicht mehr weit. Doch bevor die Partner den Gedanken in die Tat umsetzen und erste offizielle Schritte, wie etwa die Einschaltung eines Anwalts, unternehmen, sollten sie darüber nachdenken, ob die Lage wirklich so hoffnungslos ist, wie sie im Augenblick erscheinen mag. Oft gibt es in Beziehungen auch an diesem Punkt noch viele wertvolle Gemeinsamkeiten, die als tragfähige Basis für einen Neubeginn dienen können.
Um diese erkennen zu können, braucht es eine neue Sicht auf die Partnerschaft, die sich über den Blickwinkel Außenstehender herstellen lässt. Manchmal können Freunde, die beiden Partnern gleich nahe stehen, zu einer solchen Sicht verhelfen. Wichtig ist dabei der Grundsatz, dass keiner der beiden in Abwesenheit des anderen einem Freund vom anderen Geschlecht sein Herz über die Beziehung ausschütten sollte. Die durch das Vertrauen hergestellte Nähe kann den Freund oder die Freundin zur Parteinahme im Beziehungskonflikt verführen. Das sollte vermieden werden.
Darum ist es auch nicht sinnvoll, Familienangehörige als Vermittler einzuschalten. Zum einen haben sie die natürliche Tendenz, sich mit dem verwandten Partner zu identifizieren. Manchmal haben sie auch andere Familieninteressen, etwa das Vermögen, mehr im Auge als die Interessen der Partnerschaft.
Mediation
Ein Rechtsanwalt kann auch als Mediator auftreten, im Bemühen, eine Lösung bei aufrecht bleibender Beziehung zu finden, welche die Interessen beider Partner gerecht und optimal erfüllt. Wenn nur ein Partner einen Anwalt beizieht, so kann sich aber ein Sog in Richtung rechtlicher Schritte ergeben, die vielleicht ungewollt den Anfang vom Ende der Partnerschaft einleiten könnte.
Therapeuten dagegen können sowohl als Mediatoren beim Aushandeln eines neuen Arrangements behilflich sein als auch versuchen, über eine Paartherapie die in der Psyche und im Verhalten der Partner angelegten Störfaktoren unschädlich zu machen. Für welche Möglichkeit die Partner sich entscheiden, sollte im gemeinsamen Gespräch mit dem Therapeuten geklärt werden.
Zur Vorbereitung ist es sinnvoll, wenn die Partner sich folgende Fragen überlegen:
- Gibt es Altlasten in unserer individuellen oder gemeinsamen Geschichte, die wir aufarbeiten wollen?
- Oder wäre es uns wichtiger, gleich Lösungsansätze für die Zukunft zu erarbeiten?
- Wieviel Zeit und Geld wollen wir investieren?
Im Gespräch mit dem Therapeuten wäre zu klären, ob er mit den Vorschlägen der Partner auf diese Fragen einverstanden ist und ob seine Wertvorstellungen in Bezug auf Partnerschaft, Ehe und Scheidung für beide Partner akzeptabel sind.
Auch im Fall einer schon fest beschlossenen Scheidung ist es sinnvoll, statt den Weg destruktiver Konfrontation den einer konstruktiven Mediation zu wählen. Besonders bewährt haben sich in diesem Zusammenhang Mediationsteams bestehend aus einem Anwalt und einer Therapeutin oder einer Anwältin und einem Therapeuten, damit kein Partner durch eine Übermacht des anderen Geschlechts verunsichert wird. Zudem gibt es jeweils einen Spezialisten für die rechtliche und einen für die emotionale Handhabung der Trennungssituation. Obwohl dieses Verfahren aufwändig erscheinen mag, bedeutet die Beziehung eines solchen Doppels in der Summe keinen höheren Aufwand als zwei Anwälte. Dagegen können die Folgekosten der Trennung durch ein ressourcenbewahrendes mediatives Verfahren bedeutend gesenkt werden.
Wer nicht in der Lage ist, Mediatoren über persönliche Empfehlung zu ermitteln kann sich an die Standesvertretungen der Rechtsanwälte und Psychotherapeuten wenden. Auch Ehe- und Familienberatungsstellen, Anwaltspraxen und Pfarren können möglicherweise Empfehlungen abgeben.