Konfliktursache Karriere

Das Problem, wessen Karriere Vorrang hat, stellt sich kaum, wenn ein Paar an dem Ort lebt, wo beide Partner arbeiten. Mit dem beruflichen Engagement eines Partners in einer anderen Stadt kann sich das freilich schnell ändern, besonders wenn beiden Partnern viel an ihrer Karriere gelegen ist, und erst recht, wenn das Paar Kinder hat. Da hilft nur eines: So lange ruhig, aber beharrlich verhandeln, bis kein Partner das Gefühl hat, gegenüber dem anderen langfristig benachteiligt zu sein.

So erlauben die Karenzregelungen in Deutschland und Österreich Eltern, sich abwechselnd um den Nachwuchs zu kümmern. Leider wird das häufig dadurch erschwert, dass Frauen bedeutend weniger verdienen als ihre Männer und deren Karenzurlaub somit eine schwer verkraftbare Belastung für das Familienbudget bedeuten würde. Doch kann es sich lohnen, für diesen Zweck auf Ersparnisse zurückzugreifen oder kurzfristig den Lebensstandard herunterzuschrauben. Das Kind profitiert von der Betreuung durch die väterliche Bezugsperson und für die Frau wird die berufliche Kontinuität besser gewährleistet als wenn sie längerfristig für die Kinderaufzucht allein zuständig ist.

Wenn es einen Partner, sei es durch Versetzung oder ein verlockendes Jobangebot, beruflich plötzlich in die Ferne verschlägt, so muss das zu keiner Beziehungskrise führen. Immer mehr Paare führen so genannte "Commuter-Ehen" mit klaren Vereinbarungen, wie der Familienkontakt trotz der Distanz aufrecht erhalten werden kann. Regelmäßige Telefongespräche und zwei gemeinsame Wochenenden im Monat, hin und wieder um ein paar Urlaubstage verlängert, sind z.B. eine mögliche Variante. Doch sollte bereits zu Beginn feststehen, dass es sich um einen Ausnahmezustand handelt und auch, wie lange dieser andauern wird. Unbegrenzt wird er sich kaum fortsetzen lassen, ohne das Bestehen dieser Familie aufs Spiel zu setzen.

Eine gute Haushaltshilfe oder rüstige Großeltern können streckenweise die Kinderbetreuung übernehmen und dem am Hauptwohnort verbliebenen Partner Ausflüge an den neuen "Zweitwohnort" ermöglichen. Selbstverständlich erfordert ein derartiges Arrangement von allen Familienmitgliedern viel Flexibilität. Doch ist es auch eine Chance, neue Qualitäten familiären Miteinanders auszuloten und vielleicht sogar einer im grauen Alltagstrott verfallenen Partnerbeziehung zu neuem Schwung zu verhelfen.


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