Ich fühle mich im Stich gelassen

Hausarbeit, Kinder, alternde Eltern oder Schwiegereltern - der familiäre Alltag ist angefüllt mit wenig anerkennungsträchtigen, aber notwendigen Routineaufgaben, die oft unter Zeitdruck erledigt werden müssen. Über Jahre hinweg nehmen die Belastungen stetig und kaum merklich zu. Und auf einmal ist der kritische Punkt erreicht: Die Partner haben das Gefühl, nichts mehr voneinander zu bekommen. Das Gefühl trügt nicht.
 
Ihre Energien werden von der Umgebung in einem solchen Maß beansprucht, dass für die Partnerschaft, die dem ganzen eigentlich zugrunde liegt, nicht genug übrig bleibt. Für die Frau in der Partnerschaft mag sich die Situation so darstellen: Er übernimmt nur, was ihm Spaß macht. Der ganze mühselige Teil bleibt an mir hängen." Er sieht das anders: "Die Hauptverantwortung für unseren materiellen Wohlstand trage doch eindeutig ich. Mir wäre lieber, wir hätten beide mehr Zeit, und sie wäre weniger perfektionistisch. Es kommt mir vor, als wären wir beide zu Maschinen geworden. Hauptsache wir funktionieren. Mir fehlt das, wie es früher zwischen uns war."


Weniger ist oft mehr
Aussagen wie diese drücken die Vielschichtigkeit der Probleme aus, mit denen Paare sich heute auseinanderzusetzen haben: Das Ende der patriarchalen Lebensform zieht eine schwierige Übergangsphase nach sich. Zwar ist der Anspruch auf Gleichberechtigung weitgehend akzeptiert, doch folgt die Rollenverteilung - wenn auch aufgelockert - vielfach immer noch dem traditionellen Muster. Das liegt weniger am Unwillen der Männer, sich mehr in der Familie zu engagieren, sondern an der gesellschaftlichen Realität. In den meisten Partnerschaften hat die Frau das kleinere Einkommen. Da ist es ökonomisch sinnvoll, wenn der Hauptverdiener sich auf seinen Beruf konzentriert.

Viele Paare sind sich jedoch nicht bewusst, dass sie selbst maßgeblich beitragen, die Belastungsspirale hochzuziehen. Wenn der allgegenwärtige Leistungsdruck und Konsumzwang auch von außen aufgedrängt sein mag, so kann jedes Paar doch darüber nachdenken, ob es nicht möglich ist, in einem Lebensbereich zugunsten eines anderen Abstriche zu machen. Die daraus entstehenden Nachteile oder Kosten werden durch die Entlastung wettgemacht. Wenn das Paar spürt, dass es Probleme hat, sich auf Prioritäten zu einigen, ist es sinnvoll, sich Feedback von Freunden oder Bekannten zu holen. Die Meinung von Familienangehörigen ist dabei eher hinderlich, da sie wahrscheinlich von denselben Vorurteilen bestimmt wird, die den Partnern die Orientierung im Dschungel der täglichen Anforderungen erschweren. Es kann auch sinnvoll sein, professionellen Rat einzuholen, noch bevor die Beziehung ins Trudeln gerät.


Copyright © 2011 BKK Deutsche Bank AG, Düsseldorf