Hemmung durch Schuldgefühle

Schuldgefühle unterschiedlichster Herkunft können die Befriedigung sexueller Bedürfnisse beeinträchtigen und manchmal sogar unmöglich machen. Wenn diese Bedürfnisse sich im Rahmen einer unter zustimmenden Erwachsenen ausgeübten Sexualität halten, bei der niemand seelisch oder körperlich zu Schaden kommen kann, so hat keine Instanz Anspruch, diese zu zensieren.

Weder Religion, noch Moral noch der Einfluss anderer Menschen, der bisweilen noch über den Tod hinausreichen kann, sollte die Macht haben, die sexuelle Selbstbestimmtheit eines Menschen innerhalb dieser Grenzen zu beschneiden.

Zugleich steht jedem Menschen zu, seine Sexualität aufgrund persönlicher Einsicht und Überzeugung frei zu gestalten. Falls das bedeutet, dass eine Person sich für ein Leben ohne oder mit reduzierter Sexualität entscheidet, so ist dagegen im Prinzip nichts einzuwenden. Vorausgesetzt, die Person selbst leidet nicht darunter und verursacht damit auch kein Leid für eine andere Person, mit der sie eine Liebesbeziehung unterhält.

Wenn jemand sich jedoch seine sexuellen Bedürfnisse nicht zu erfüllen vermag, obwohl er das möchte und physisch dazu in der Lage wäre, so ist als Ursache eine Hemmung anzunehmen. Hemmungen verursachen Leid.


Unter der Oberfläche
Wer einer Hemmung auf den Grund kommen möchte, sollte sich fragen, welche Vorstellungen ihn daran hindern, sexuell so zu agieren, wie er eigentlich möchte. Wenn jemand beispielsweise als Hinderungsgrund angibt, dass bestimmte Verhütungsmittel für ihn oder sie moralisch nicht akzeptabel seien, so lässt sich daraus auf eine unter der Oberfläche liegende religiöse Hemmung schließen.

Wenn jemand bei einer Gelegenheit Sexualität als stark schuldhaft erlebt hat, etwa weil er oder sie in der Kindheit oder Jugend beim Masturbieren erwischt wurde, kann sich auch daraus eine spätere sexuelle Hemmung entwickeln.

Falls die Vermutung besteht, dass der sexuellen Hemmung Ängste zugrunde liegen, wie etwa die Kontrolle zu verlieren, sich fallen zu lassen, zuviel Nähe zuzulassen, abhängig zu werden oder durch die Beziehung erpressbar zu werden, sollte professionelle Hilfe gesucht werden. Derlei Ängste und damit verbundene sexuelle Störungen können auf therapeutischem Weg überwunden werden.


Unlust durch Verlust
Wer einen Partner verlassen oder betrogen hat oder wer das Gefühl hat, einen verstorbenen Partner zu betrügen, reagiert unter Umständen auch mit hemmenden Schuldgefühlen. Nach einer Trennung, Scheidung oder dem Tod eines Partners sollte jeder sich mindestens ein Trauerjahr zugestehen und sich auch nicht wundern, falls längere Zeit zur Verarbeitung des Verlustes nötig ist. Auch bei jedem anderen "Verlust", etwa des Arbeitsplatzes, ist "Unlust" normal. Der oder die Betreffende befindet sich in einer Krise, die stark beschäftigt und wo alle Energie auf die Lösung gerichtet wird, mit der Folge, dass der Organismus auf Sparflamme schaltet und sekundäre Bedürfnisse zurückstellt.


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