Guter Stress - schlechter Stress

Immer mehr Menschen klagen heute über Stress: Stress am Arbeitsplatz, Stress in der Familie, ja sogar über Stress in der Liebe. Während milder Stress sogar positive Folgen für unser Wohlbefinden hat, bewirkt eine dauernde chronische Überforderung das genaue Gegenteil. Grundsätzlich gilt: Je größer der Stress, desto wichtiger ist die anschließende Entspannung. Tiefergehende Stressbewältigung durch Erlernen von Entspannungs- oder Atemtechniken helfen, Krankheiten, die durch Stress bedingt sind, zu vermeiden.

Es ist mittlerweile längst Allgemeinwissen, dass übermäßiger Stress die Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen begünstigt. Weniger bekannt ist allerdings, dass er gleichzeitig auch unser Immunsystem schädigt. Der deutsche Mediziner Thure von Uexküll, der als Begründer der modernen Psychosomatik gilt, hat wiederholt darauf hingewiesen, "...dass Verbindungen zwischen Persönlichkeit, Stress und Reaktionen des Immunsystems bestehen". Die Beeinträchtigung des Immunsystems durch dauernde psychische Überbelastung erhöht jedoch nicht nur die Ansteckungsgefahr bei Infektionserkrankungen. Sie kann zu weit schlimmeren Krankheiten führen. Zu Tumorbildungen genauso wie zu vielen Formen der Krebserkrankung.

Vor allem die Anhäufung bestimmter belastender Lebenssituationen - wissenschaftlich "life-events" - wie der Tod nahestehender Menschen, Scheidungen, einschneidende Lebensveränderungen, der Verlust des Arbeitsplatzes, finanzielle Belastungen, der Wechsel des Wohnsitzes, Verurteilungen und vieles mehr, was unseren Stresspegel hebt, erhöhen das Krankheitsrisiko. Ein Mensch ist daher umso gefährdeter, je mehr Stress erzeugende Erlebnisse er im Laufe eines Jahres hat.


Was ist Stress?
Der Begriff Stress kommt aus dem Englischen und heißt soviel wie: Anstrengung, Druck. Stress ist ein Zustand besonderer psychischer und physischer Anspannung. Menschen unter Stress befinden sich in erhöhter Alarmbereitschaft, was in unterschiedlichen körperlichen Reaktionen zum Ausdruck kommt: Das Herz schlägt schneller, der Blutdruck und die Atmungsfrequenz erhöhen sich, die Durchblutung des Gehirns und der Muskulatur ist erhöht, der Blutzuckerspiegel steigt und es kommt zu einer Hemmung der Sexualfunktionen und der Immunabwehr.

Der Organismus reagiert auf alarmierende Reizeinwirkungen (auf einen "Stressor"), z.B. auf eine Infektion, Verletzung oder Vergiftung. Aber auch seelische Stressoren (Probleme in der Partnerschaft, zwischenmenschliche Konflikte, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, Überlastung, Termindruck, drohende Strafverfahren, der Tod einer nahestehenden Person, Arbeitslosigkeit, Prüfungen, Umzug in eine andere Stadt) werden als Ereignis wahrgenommen, das alle Kräfte mobilisiert, um die bedrohliche Situation bewältigen zu können.


Eustress und Distress
Die Stressreaktion hat in ihrer ursprünglichen Funktion einen positiven Sinn, denkt man an die starken körperlichen Anforderungen, denen der Mensch einmal ausgesetzt war. Die Belastungsfaktoren haben sich jedoch im Laufe der Jahrtausende verändert. Früher bedeuteten Kälte, Hunger oder körperliche Überforderung Stress, während sich Stress heute hauptsächlich in den Köpfen abspielt.

Ein "dosierter", d.h. regelmäßiger Eustress (sogenannter positiver Stress) stimuliert das Immunsystem und wirkt anregend. Positiver Stress entsteht zum Beispiel beim Sport oder bei der zufriedenstellenden Lösung von schwierigen Aufgaben. Wer unter plötzlichem Zeitdruck einen Auftrag oder eine Arbeit erledigen muss, steht unter Eustress. Eustress sorgt dafür, dass ungeahnte Kräfte frei werden.

Der anhaltende und auch der zu stark auftretende Stress, in körperlicher wie auch in seelischer Form, wird als Distress (negativ wirkender Stress) bezeichnet und führt zu Krankheiten verschiedenster Art. Bluthochdruck, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen- und Darmerkrankungen, Depressionen sowie Sexual- und Schlafstörungen können eine Folge von Stress sein. In Stresssituationen ist die Anfälligkeit für alle möglichen Krankheiten erhöht. Es sind meist die langwierigen und schleichenden Belastungen, die die Widerstandskräfte des Körpers angreifen, vor allem wenn sie mit Gefühlen wie Trauer, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit, Angst und Verzweiflung verbunden sind. Dauerstress erschöpft die Energievorräte des Körpers und kann in Extremfällen sogar zum Tod eines Menschen führen.

Jeder Mensch hat andere Grenzen für Eustress und Distress. Grundsätzlich gilt: Je größer der Stress, desto wichtiger ist die anschließende Entspannung. Tiefergehende Stressbewältigung durch Erlernen von Entspannungstechniken oder Atemtechniken helfen, Krankheiten, die durch Stress bedingt sind, zu vermeiden.


Ständiger Stress macht krank
Es ist bekannt, dass Menschen in Stresssituationen anfälliger für eine Vielzahl von Krankheiten sind. Schwerwiegende negative Ereignisse, wie der Tod einer nahestehenden Person, lösen so viel seelischen Schmerz aus, dass die Abwehrkräfte des Körpers geschwächt werden. Aber auch positive Veränderungen, wie beispielsweise ein neuer Arbeitsplatz oder die Geburt eines neuen Familienmitglieds, können die normale Fähigkeit eines Menschen, Krankheiten abzuwehren, beeinträchtigen. Es gibt verschiedene Arten von Stressoren (Ereignisse, die Stress auslösen): körperliche, seelische und soziale Reize.

Körperliche Stressoren: Dazu zählen Hitze, Kälte, Lärm, Hunger (daher Achtung bei radikalen Abmagerungskuren), Infektionen und Verletzungen.

Seelische Stressoren: Als seelische Stressoren wirken ungelöste psychische Konflikte, Versagensängste, Leistungsüberforderung, Zeitdruck bzw. Unterforderung und Prüfungssituationen.

Soziale Stressoren : Darunter fallen zwischenmenschliche Konflikte, der Verlust von Angehörigen und Ablehnung durch andere Menschen.


 
Stress und Beruf
Ein verbreitetes Vorurteil besagt, dass Führungskräfte besonders stressgefährdet sind. Lange Zeit wurde Stress sogar als "Managerkrankheit" bezeichnet. Doch weit gefehlt. Laut einer Liste der amerikanischen Regierung sind Arbeiter (allen voran Fließbandarbeiter) und Sekretärinnen jene Berufsgruppen, die am stärksten stressgefährdet sind. Aber auch Lehrer, Kellner, Krankenschwestern und Polizisten leiden unter viel Stress. Berufsgruppen, in denen großer Zeitdruck herrscht (Supermarktkassierer, Telefonisten) sind ebenfalls stark vom Stress bedroht.

Unmittelbare Stressfolgen

  • Das Herz-Kreislauf-System, das am schnellsten auf Stress reagiert, ist am anfälligsten für Erkrankungen durch Stress. Jede psychische Belastung durch Stress führt zu einer Aktivierung des Kreislaufsystems. Das Herz schlägt schneller, die Durchblutung wird auf die notwendigen Organe beschränkt, der Blutdruck erhöht sich.
  • Weitere stressbedingte Störungen, die häufig auftreten, sind gastrointestinale Erkrankungen (Störungen des Magen-Darm-Traktes). Es können sich Magengeschwüre bilden, die durch eine Überproduktion von Magensaft oder eine Überempfindlichkeit der Magenschleimhaut zustande kommen, was zu Übelkeit und Magenschmerzen führt. Eine Entzündung des Dick- oder Dünndarms kann ebenso eine Folge von Stress sein.
  • Erkrankungen der Atemwege, wie z. B. Anfälle von Asthma, sind durch pfeifendes Atmen, Keuchen und ein starkes Beengungsgefühl gekennzeichnet und können durch emotionale Spannungen ausgelöst werden. Darüber hinaus kann Stress viele Hauterkrankungen, deren Symptome von Juckreiz und Schmerz bis zu Ausschlägen und Pusteln reichen, verursachen oder verschlimmern.
  • Eine Verschiebung des Hormonhaushaltes, Zyklusstörungen bei der Frau (Blutungsstörungen) und sexuelle Funktionsstörungen können bei großer Belastung und Anspannung ebenfalls auftreten sowie Schlafstörungen und chronische Müdigkeit.
  • Im kognitiven Bereich führt Dauerstress zur Einengung von Wahrnehmung und Informationsaufnahme (Scheuklappeneffekt). Auch Lern- und Gedächtnisleistungen nehmen messbar ab. Durch die emotionale Überforderung finden sich Symptome wie Aggressionsbereitschaft, Unausgeglichenheit, Gefühlsschwankungen, Angstgefühle, Nervosität, Depressionen, Apathie und Gereiztheit (Die leidende Seele).
  • Im muskulären Bereich sind chronische Verspannungen ganzer Körperpartien eine weitere unangenehme Folge von Stress. Ständige Anspannung verbraucht übermäßig viel Energie, man ermüdet vorzeitig. Meist wird Verspannung nicht rechtzeitig wahrgenommen, sondern erst beim Auftreten von Schmerzen (z. B. Spannungskopfschmerz als Folge von Verspannung der Nackenmuskulatur). Allgemeine Verspanntheit, leichte Ermüdbarkeit, Entspannungsunfähigkeit, Rückenschmerzen und Kopfschmerzen etc. können Warnsignale sein, die auf eine hohe Stressbelastung hindeuten.

Es gilt die Ursachen und die Wirkung der Stressoren in Bezug auf den jeweiligen Menschen herauszufinden und eine gezielte Behandlung vorzunehmen. Am besten ist es jedoch, präventive Maßnahmen zu setzen, um durch Stress bedingte Krankheiten zu verhindern.

Indirekte Stressfolgen
Bei den meisten Menschen führt fortdauernder Stress zu einem chronischen Spannungszustand, der geradezu nach Abfuhr schreit. Nicht immer sind die Strategien, die dabei angewandt werden, der körperlichen Gesundheit zuträglich.

Dass Stressgeplagte oft starke Raucher sind, vermehrt dem Alkohol zusprechen oder beim Essen über die Stränge schlagen, ist kein Zufall. Nikotin und Alkohol wohnt eine entspannende Wirkung inne und auch Essen hilft, Spannung abzubauen. Wohin Spannungsrauchen, -trinken oder -essen führt, bedarf keiner besonderen Erörterung. Raucherschäden, Alkoholismus und Übergewicht sind bekannte Leiden, die oft genug auf chronischen Stress zurückgehen. Falsche Ernährung und Bewegungsmangel tun das Übrige dazu, um den Organismus nachhaltig zu schädigen.

Effektives Stressmanagement muss daher nicht nur die Beseitigung der unmittelbaren Stressoren im Auge behalten, sondern auch stressbedingte ungesunde Lebens- und Ernährungsgewohnheiten korrigieren. Ein vernünftiger Ernährungs- oder Fitnessplan kann dabei helfen.

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