Differenzen in Erziehungsfragen
Wie Leute an die Erziehung ihrer Kinder herangehen, ist in jedem Fall von den Erfahrungen im eigenen Elternhaus geprägt. Werden diese positiv bewertet, so ist es wahrscheinlich, dass zwischen der Art der Erziehung, die jemand selbst erlebt hat und der, die er seinen Kindern angedeihen lässt, keine gravierenden Unterschiede bestehen. Anders im Fall der Unzufriedenheit mit dem Erziehungsverhalten der Eltern. Da besteht die Neigung, mit den eigenen Kindern bewusst anders umzugehen.
Durch die weite Verbreitung psychologischen Wissens sind Eltern sensibilisiert für den großen Einfluss der Erziehung auf das spätere Leben. Das alles lässt Eltern ihre Verantwortung besonders deutlich spüren und, im Fall divergierender Vorstellungen der beiden Elternteile, besonders empfindlich reagieren.
Dennoch ist für die Entwicklung des Kindes besonders wichtig, dass die Eltern in wesentlichen Dingen einig sind, so auch im Erziehungsstil.
Erziehungsstile
Psychologen haben das breite Spektrum elterlichen Verhaltens in drei Stile unterteilt, von denen jeder für eine bestimmte Epoche charakteristisch ist, alle aber noch heute praktiziert werden. So wurden die Kinder lange Zeit patriarchalisch autoritär erzogen. Dabei verhalten sich die Eltern ihren Kindern gegenüber streng und kontrollierend. Die Kinder haben sich unterzuordnen und sind mit wenig Freiraum zu ihrer Entwicklung ausgestattet. Die Zukunft der Kinder wird von den Eltern bestimmt, ihre natürlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten werden nicht gefördert.
Als Reaktion auf das jahrhundertelange autoritäre Regime kam im 20. Jahrhundert der antiautoritäre oder laissez-faire-Erziehungsstil auf. Dabei geht es den Eltern vor allem darum, dass sich die Kinder ohne äußere Zwänge frei entwickeln können und selbst am besten spüren, was ihnen gut tut. Die Eltern setzen sich keine Erziehungsziele und stellen wenige Anforderungen an die Kinder, sondern ordnen sich deren Bedürfnissen unter. Erziehen bedeutet für diese Denkschule Machtausübung.
Auf die Herrschaft der Eltern und die Herrschaft der Kinder hinauf bildete sich der heute als optimal eingestufte partnerschaftlich-demokratische Erziehungsstil heraus. Er zielt auf eine altersangemessene Entwicklung der Selbstständigkeit und Individualität des Kindes ab. Indem es angehalten wird, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen, wird seine soziale Kompetenz gefördert. In Situationen, wo Kinder die Folgen ihres Handelns noch nicht abschätzen können, greifen die Eltern schützend ein. Sie ordnen sich ihren Kindern nicht unter, sondern machen ihnen klar, dass sie in bestimmten Bereichen, die von Familie zu Familie differieren können, nicht gleichberechtigt mitentscheiden dürfen, ob das nun die Urlaubsplanung betrifft oder die Einrichtung der Gemeinschaftsräume.
Synthese
Falls Eltern sich in Erziehungsfragen nicht einigen können, wäre es sinnvoll, ihre Vorstellungen mit den Grundsätzen des partnerschaftlich-demokratischen Erziehungsstils zu vergleichen. Auf diesem Weg könnte es möglich sein, zu einer Synthese zu gelangen, die beide Teile befriedigend finden.