Analytische Körpertherapie
Obwohl sich dieser Ansatz aus der Psychoanalyse entwickelt hat und sich auch heute noch auf die psychoanalytische Theorie bezieht, hat er mit der Psychoanalyse nichts mehr zu tun. Die Grundannahme geht davon aus, dass das Unbewusste sich auch auf der körperlichen Ebene Ausdruck verschafft. Selbstwahrnehmung und die Wiederherstellung des "Körperselbst" spielen bei der analytischen Körpertherapie eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zur Psychoanalyse kann der Therapeut mit dem Klienten körperlich in Kontakt treten.
Technik
In der therapeutischen Beziehung, die auch körperlich erfahrbar wird, sollen frühe Affekte in ihrer ursprünglichen Dynamik wiederbelebt werden. Das traditionelle psychoanalytische Setting wird durch Bewegung, Berührung und Körpersprache ausgeweitet. Die Rahmenbedingungen und Parameter in der analytischen Körpertherapie werden variabel und dynamisch nach den Regressionserfordernissen und Bedürfnissen des Patienten gewählt. Die Therapie kann im Liegen, Sitzen oder Stehen stattfinden, in der Bewegung oder im Berühren.
Theoretischer Hintergrund
Die analytische Körpertherapie arbeitet am und mit dem Körper unter Einbeziehung des Beziehungsaspekts, das heißt, dass eine Person immer als eine zugleich in Beziehung seiende und eine mit Energie geladene angesehen wird. Blockierte Energien bzw. gestörte Beziehungen äußern sich in einem neurotischen Konflikt, der über Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten auf der Körper- und Beziehungsebene unter Einbeziehung von Gefühls- und Energiearbeit bearbeitet wird. Das Selbst wird in der analytischen Körpertherapie dem "Körperselbst" gleichgesetzt, wobei es eine zentrale therapeutische Aufgabe ist, das Körperselbst zu entwickeln bzw. den Kontakt zum Körperselbst wiederherzustellen. Als körpertherapeutische Ergänzung zu psychoanalytischen Vorstellungen wird angenommen, dass das Unbewusste auch das im Körper nicht Wahrgenommene ist, und es wird großer Wert auf die Körperwahrnehmung des Patienten gelegt.
Zur Geschichte der analytischen Körpertherapie
Die analytische Körpertherapie arbeitet mit der Bedeutung des Körpers in der Übertragung. Im Gegensatz zu Freud hielt es Ferenczi für sinnvoll, Patienten direkten, teilweise auch körperlichen Halt anzubieten, die er für unterstützender hielt im Vergleich zu dem deutenden Verfahren Freuds und der Psychoanalyse. Ferenczi schien dies insbesondere bei traumatisierten Patienten einzig erfolgreich - er betrachtete allerdings alle Patienten als traumatisiert. Michael Balint entwickelte diesen Ansatz weiter und nutzte die Symbolik der Bewegung für den therapeutischen Prozess. Balint ging davon aus, dass sich das Unbewusste in Bewegungen, Träumen und Phantasien ausdrückt. In Deutschland gelten vor allem Heisterkamp, Maaz und Moser als wichtige Vertreter dieser Therapierichtung. Sie variieren die traditionelle Psychoanalyse mit ihren Konzepten der Selbstbewegung, der Ausdrucksbewegung und der Berührung.