Der Ärger mit dem Geld

Geld ist nach Eifersucht die häufigste Ursache für Streit in Partnerschaften. Oft ist dabei der materielle Aspekt nur vordergründig das Thema und steht als Symbol für andere Bedürfnisse, etwa emotionale Zuwendung, Macht, Sicherheit. Dennoch ist der finanzielle Konflikt an der Oberfläche meistens durchaus real und sollte daher auch gelöst werden.

Am einfachsten ist es, mit Geld partnerschaftlich umzugehen, wenn beide Partner gleich viel verdienen. Sie können die Auslagen für ihr gemeinsames Leben teilen und keiner wird sich übervorteilt fühlen. Da aber Frauen in der Regel mit ihren Gehältern immer noch um ein Drittel hinter den Männern liegen, kann Halbe-Halbe als Schlüssel zur Verteilung der Finanzierungslast für gemeinsame Projekte noch lange nicht die Norm sein.

Geringerer Verdienst bedeutet in der Regel eine schwächere Machtposition. Das Ungleichgewicht wird dadurch verstärkt, dass Frauen mehr als doppelt so viel unbezahlte Hausarbeit verrichten als Männer. Der Streit ums liebe Geld ist demnach vorprogrammiert. Je angespannter die finanzielle Situation einer Familie, desto wahrscheinlicher bricht er aus. Das schließt freilich nicht aus, dass Geld nicht auch in wohlhabenden Haushalten als Machtinstrument eingesetzt würde. Doch finden sich viele Frauen damit ab, weil sie die wirtschaftliche Absicherung für sich und ihre Kinder nicht verlieren wollen.


Klare Verhältnisse
Der Umgang eines Paares mit den gemeinsamen finanziellen Ressourcen ist ein guter Indikator seiner Partnerschaftlichkeit. Beide Partner haben einen Anspruch darauf, sich wirtschaftlich unabhängig zu fühlen und nicht auf die finanzielle Großzügigkeit des anderen angewiesen zu sein.

Am besten wäre, gleich zu Beginn des Zusammenlebens die Besitzverhältnisse zu regeln und so spätere Reibungsflächen ums Geld zu vermeiden. Zu diesem Zeitpunkt geht das am allereinfachsten, wenn klar ist, was wem gehört und noch kein Streit ums Geld ausgebrochen ist. Hilfreich ist, wenn jeder Partner ein Inventar über sein Vermögen und seine Wertsachen erstellt. Bei späteren Unklarheiten, aber auch, falls die Partnerschaft gelöst wird, sind solche Aufstellungen von großem Nutzen.

Der nächste Schritt wäre, sich zu einigen, wie die im Lauf der Partnerschaft erworbenen Güter zu verteilen sind. Da gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Gütertrennung, das heißt, jedem gehört das, was er verdient und erwirbt - dazu bedarf es eines Vertrages - oder Gütergemeinschaft an allem, was im Lauf der Partnerschaft zusammenkommt. In beiden Fällen ist es sinnvoll, ein gemeinsames Budget zu erarbeiten. Im Fall der Gütergemeinschaft sollte jeder Partner über einen ausreichenden monatlichen Geldbetrag für die eigenen Bedürfnisse verfügen können. Kein Partner sollte den anderen bei der Anschaffung von Dingen seines persönlichen Bedarfs um Erlaubnis fragen müssen; beiden tut es gut, wenn sie ausreichend Geld haben, um den Partner oder die Partnerin in ein schönes Restaurant einladen und ihren Verpflichtungen gegenüber Familie und Freunden nachkommen zu können.


Finanzielle Unabhängigkeit
Kompliziert wird die Situation, wenn ein Partner wesentlich wohlhabender ist als der andere. Da hilft es, sich zunächst vor Augen zu halten, dass Geld nicht die einzige Währung ist, die in einer Beziehung ausgetauscht wird. Emotionale Unterstützung, Zeit, Fürsorge sind nicht weniger wertvolle Formen der Zuwendung als Geld. Wer sich darüber im klaren ist, vermag den Wert seines finanziellen Einsatzes in der Partnerschaft aus einer gerechteren Perspektive zu sehen. Auf jeden Fall wäre es sinnvoll, für das gemeinsame Leben einen finanziellen Rahmen zu wählen, der auch für den weniger wohlhabenden Teil leistbar ist. Fairerweise sollte dabei sein nicht-materieller Einsatz berücksichtigt werden. Auf jeden Fall gilt: Wenn ein Partner nicht erwerbstätig ist, so sollte er nicht in die Situation kommen, den anderen um Geld bitten zu müssen. Zusätzlich zum gemeinsamen Budget, das von beiden Partnern zusammen erstellt werden sollte, wäre empfehlenswert, dem nicht erwerbstätigen Teil für seine Tätigkeit im Dienst des gemeinsamen Wohls ein dem Lebensstandard angemessenes Gehalt auszuzahlen.

Die weit verbreitete Alternative zu solcherart klar gestalteten Verhältnissen - der Zugang zu einem gemeinsamen Konto - ist dagegen eine verschwommene Lösung. Sie hält den weniger begüterten Teil in einem Abhängigkeitsverhältnis und verwehrt ihm, finanzielle Rücklagen zu schaffen oder sich größere Anschaffungen selbst zu finanzieren. Leider versäumen viele Paare in der romantischen Phase ihres Zusammenlebens, ihr finanzielles Verhältnis klar festzulegen. Wenn die Beziehung in eine Phase der Belastung tritt, können sich daraus schwer wiegende Machtkonflikte entwickeln. Manche Dinge lassen sich aber auch in der ausgeklügeltsten Finanzregelung nicht vorhersehen. Das kann die Erkrankung eines Partners sein, hohe Ausgaben für die Ausbildung der Kinder, Pflegekosten für die Eltern. Treten solche Situationen ein, bleibt den Partnern nichts anderes übrig, als sich noch einmal mit der Gestaltung der finanziellen Komponente ihrer Beziehung auseinanderzusetzen.


Gemeinsames Budget
Bevor ein Paar an die Erstellung seines gemeinsamen Budgets geht, sollten beide einander ihre Sorgen, Bedürfnisse und Vorstellungen mitteilen. Dann können die Partner als Team nach Lösungen suchen, um diese zu vereinbaren und schließlich einen Plan erstellen. Keiner sollte angesichts des Budgets das Gefühl haben, dass große Opfer von ihm oder ihr verlangt würden. Auch wenn solche in der enthusiastischen Anfangsphase der Beziehung nicht ins Gewicht zu fallen scheinen - später wiegen sie auf jeden Fall schwer.

Der erste Schritt zum gemeinsamen Budget ist eine Aufstellung aller Ausgabenposten. Hilfreich ist, dabei die Rechnungen, Kontoauszüge und Kreditkartenbelege beider Partner vom letzten Jahr als Grundlage zu nehmen. Daraufhin wird geklärt, was davon aus dem gemeinsamen Topf zu bezahlen ist und was die Partner jeweils aus ihren eigenen Mitteln bestreiten. In beiden Punkten müssen die geplanten Ausgaben mit den zu erwartenden Einnahmen übereinstimmen.

Der nächste Schritt wäre die Planung der gemeinsamen finanziellen Zukunft. Während für den einen Partner vielleicht der Traum vom eigenen Haus bestimmend ist, mag für den anderen ein sorgenfreies Alter im Vordergrund stehen. Beide sollten ihre langfristigen Ziele, das kann auch die Reise um die Welt oder die Finanzierung einer besonders guten Ausbildung für den Nachwuchs sein, formulieren und ermitteln, wo die Vorstellungen deckungsgleich sind. Dort werden die Prioritäten gesetzt. An die nächste Stelle kommen möglicherweise damit nicht abgedeckte Sicherheitsbedürfnisse, und zuletzt die individuellen großen Träume. Wieviel für jedes Zukunftsprojekt auf die hohe Kante gelegt wird, hängt von seiner Priorität und der Verfügbarkeit von Mitteln ab.

Wenn nicht plötzlich neue Geldquellen erschlossen werden oder sich außergewöhnliche Belastungen abzeichnen, die schnell ins Budget integriert werden sollten, ist es sinnvoll, einmal jährlich eine große Budgetdiskussion zu führen und die Finanzplanung entsprechend zu revidieren.


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