Der Kampf um die Macht
Macht an sich ist in Ordnung. Wer sie hat, hat auch mehr Verantwortung. Was allerdings nicht akzeptabel sein sollte, ist Missbrauch von Macht. Machtspiele machen das Leben nicht einfacher.
Bis vor wenigen Jahrzehnten war alles sonnenklar: Der Mann entschied und die Frau hatte ihm zu folgen - außer in der Minderheit der Beziehungen, wo die Frau "die Hosen anhatte". Autorität war männlich.
Seitdem das nicht mehr selbstverständlich ist, sind die Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen kompliziert geworden, besonders in jenen Partnerschaften, wo ein Teil, meistens ist das die Frau, finanziell auf den Mann angewiesen oder sonst in irgendeiner Form von ihm abhängig ist. Da ist es nicht immer leicht, echte Gleichberechtigung durchzusetzen. Am klarsten ist die Situation, wenn die Partner ein ähnliches Einkommen und einen vergleichbaren Bildungsstand haben.
Der Missbrauch von Macht
Macht an sich ist in Ordnung. Wer sie hat, hat auch mehr Verantwortung. Was allerdings nicht akzeptabel sein sollte, ist Missbrauch von Macht. Machtspiele machen das Leben nicht einfacher. Daher wäre es gut, schon am Anfang einer Lebensgemeinschaft einige grundsätzliche Machtfragen zu klären:
- Wer ist für welchen Bereich zuständig? Für welche Bereiche sind die Partner gemeinsam verantwortlich?
- Welche Spielräume gibt es bei der Erfüllung von Verpflichtungen und was geschieht, wenn ein Partner seine Verpflichtungen nicht einhält?
- Wie werden bei unterschiedlichen Meinungen Entscheidungen getroffen?
- Wann ist es sinnvoll, Rat von außen holen, wann könnte man einfach das Los entscheiden lassen?
- Wo beginnt für uns der Missbrauch von Macht in der Beziehung? Wenn einer lauter schreit als der andere? Wenn einer sich sexuell verweigert?
Wenn einer eigenmächtig über größere Ausgaben entscheidet? Wenn die Kompetenzen nicht klar aufgeteilt sind, bekommt der Partner, der schneller die einflussreicheren Agenden übernimmt, automatisch mehr Macht. Das kann gutgehen, solange das den anderen Partner nicht stört oder ihm vielleicht sogar angenehm ist. Falls er oder sie aber mitentscheiden möchte, so wird es ratsam sein, doch eine Kompetenzenverteilung auszuhandeln.
Freilich ist es mit einer einmaligen Regelung der Verhältnisse nicht getan. Bei jeder Änderung der Lebensumstände, sei es, dass ein Kind geboren wird, eine Zugehfrau angestellt oder ein Elternteil pflegebedürftig wird, ist es notwendig, neuerlich eine gerechte Lastenverteilung auszuhandeln.
Paare, die sich in ständigem Dialog über die Gestaltung des gemeinsamen Lebens befinden, haben die besten Chancen auf eine dauerhafte Beziehung. Das Verhandlungsprinzip erstreckt sich auf alle Lebensbereiche - von der Erziehung der Kinder über die Verwendung der Ressourcen bis hin zur Sexualität.