BKK-Gesundheitsforum "Wechseljahre und Hormone"

BKK-GesundheitsforumAnfang April hatte die BKK der Deutschen Bank Frauen zum BKK-Gesundheitsforum "Wechseljahre und Hormonbehandlung" in die Deutsche Bank nach Essen und Hamburg eingeladen. Die Veranstaltungen sind die Fortsetzung einer Serie, die im letzten Jahr ihren Start in Köln hatte und auch noch an weitere Standorte geht.

Ziel der Veranstaltungen war es, die Frauen zu befähigen, selbst die Entscheidung für oder gegen eine Hormontherapie zu treffen. Sie sollten kompetenter Gesprächspartner im Dialog mit ihrem Frauenarzt werden. Ebenso sollte ein Bewusstsein geschaffen werden: Was sind die Wechseljahre, Befindlichkeitsstörung oder Krankheit? Wer ist der richtige Ansprechpartner?


Nachfolgend einige Informationen zum Thema Wechseljahre:
Die Wechseljahre - sie sind die Zeit des Übergangs zwischen fruchtbaren und unfruchtbaren Lebensjahren. Die meisten Frauen in der westlichen Welt erleben sie um fünfzig.

Hormonell sind sie charakterisiert durch die verminderte Produktion von Östrogenen und Gestagenen in den Eierstöcken. Die Steuerungshormone der Hirnanhangsdrüse (FSH + LH) steigen an. Dieser Anstieg ist eine physiologische Reaktion. Der Körper versucht, die letzten Eizellen zur Ovulation zu bringen. Dies erklärt, warum auch bei reifen Frauen im 50. Lebensjahr in Ausnahmefällen ein Follikelsprung mit nachfolgender Schwangerschaft möglich ist.

Die meisten Frauen beginnen die Pubertät mit einem Vorrat von ca. 300.000 bis 400.000 Eizellen. Manchmal fällt diese "Mitgift" jedoch deutlich niedriger aus, so dass der Eizellpool früher erschöpft ist. Dieser kann auch durch eine medizinische Behandlung (Operation, Zytostatika, Bestrahlung) zerstört sein. Der Mediziner spricht dann von einem "vorzeitigen" Klimakterium" (Climax praecox). In besonderen Fällen tritt es schon vor dem 20. Lebensjahr auf und ist mit den typischen Wechseljahrsbeschwerden verbunden. Bei ihrer Behandlung ist daher zu berücksichtigen, ob sie vorzeitig oder "rechtzeitig" beginnen (s.u.).


Vorzeitige Wechseljahre und Kinderwunsch
Nach neuen Forschungsergebnissen scheint nicht ausgeschlossen, dass Eizellen sich aus Stammzellen (z.B. des Knochenmarks) regenerieren lassen. Gegenwärtig jedoch beruht die Hoffnung dieser Frauen auf einer Eizellspende. Dieser Weg ist deutschen Frauen leider aufgrund unserer Gesetzeslage verwehrt. In anderen Ländern (z.B. Spanien) ist die Eizell- und Embryonenspende erlaubt.


Psychische Folgen
Der Verlust der Fruchtbarkeit - gleich in welchem Alter - kann bei den Betroffenen zu schweren psychischen Störungen führen. Bei jungen Frauen steht ursächlich der unerfüllte Kinderwunsch im Vordergrund. Aber auch bei abgeschlossener Familienplanung ist das Ende der Fruchtbarkeit häufig schmerzhaft, besonders wenn nach dem 50. Lebensjahr störende körperliche Veränderungen hinzukommen: Gewichtszunahme, Haarausfall, Zunahme der Behaarung (z.B. an Oberlippe und Kinn), Brustveränderungen, trockene Scheide etc. Nicht selten sind diese verbunden mit Partnerkonflikten, Trennungen (auch von den Kindern), Überlastung durch Versorgung der Eltern, berufliche Überforderung, Verlust der Arbeitsstätte etc. etc.

Einige Frauen sehen diese Zäsur aber auch als Chance für eine positive Veränderung, z.B. durch Befreiung aus einer "versandeten" Beziehung. Die Wechseljahre als "Seniorenpubertät" zu bezeichnen, ist daher in manchen Fällen durchaus treffend.


Klimakterische Symptome:
Allseits bekannt sind Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche! Diese treten häufig in den frühen Morgenstunden auf, so dass allein daraus ein schlechter Schlaf resultiert. Die Betroffenen geben oft an, dass sie klitschnass seien und das Nachthemd wechseln müssten. Nachts werden die Fenster "aufgerissen" und später wegen Fröstelns wieder geschlossen. Mancher Ehemann, der diese Symptomatik nicht kennt, reagiert mit Unverständnis, besonders wenn die Aktivität der Ehefrau seinen eigenen Schlaf stört.

Konzentrations- und Leistungsfähigkeit der Betroffenen können nachlassen und in einem Circulus vitiosus zu Depressionen führen. Depressionen wiederum sind die häufigste Ursache für eine gestörte Libido! Hinzu kommt, dass aufgrund des Östrogenmangels die Scheide trocken und dadurch der Verkehr schmerzhaft werden kann.


Körperliche Folgen:
Die Verdünnung (Atrophie) der Scheidenschleimhaut infolge des lokalen Östrogenmangels hat eine weitere nachteilige Folge: Sie wird anfälliger für Infektionen. Diese wiederum können Blasenentzündungen nach sich ziehen.

Neben der Scheide ist ein zweites Organ besonders empfindlich für den postmenopausalen Östrogenmangel: Der Knochen! Die Östrogenversorgung des weiblichen Körpers durch die Eierstöcke ist von herausragender Bedeutung für die Knochengesundheit und macht sich umso nachteiliger bemerkbar, je früher die ovarielle Östrogenbildung versiegt. Bei jungen Frauen mit vorzeitigem Verlust der Eierstocksfunktion müssen die fehlenden Östrogene immer ersetzt werden, bei Frauen in der Postmenopause nur unter besonderen Umständen (s.u.).


Therapie
Eine Therapie mit Hormonen, die sogenannte Hormonersatztherapie ist nur bei jenen Frauen unumgänglich, die an sehr starken klimakterischen Beschwerden leiden. Dies trifft für ca. 30 % aller Frauen nach der Menopause (= letzte Blutung der fertilen Lebensphase) zu. Bei einem weiteren Drittel der Frauen sind die Beschwerden mittelstark, so dass diese Frauen auf Östrogene verzichten oder pflanzliche Mittel anwenden können. Das letzte Drittel ist frei von Beschwerden und benötigt keinerlei Behandlung. Die Möglichkeiten zur Behandlung mit pflanzlichen Präparaten sind vielfältig. Besonders wirksam sind Extrakte aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga). Diese helfen deutlich besser als Scheinmedikamente (Placebo). Ungünstiger ist die Datenlage bei den Sojabohnenextrakten. Diese helfen zwar auch, aber nicht besser als Scheinpräparate. In anderen Bereichen (als der Behandlung von klimakterischen Beschwerden) haben sie jedoch möglicherweise einen positiven Effekt (z.B. Verminderung des Brustkrebsrisikos).


Brustkrebsrisiko:
Wirksamer Anteil der Hormontherapie gegen klimakterische Beschwerden sind die Östrogene. Die Gestagene werden lediglich "mitverordnet", um die Gebärmutter vor dem Gebärmutterkörperkrebs zu schützen. An der Brustdrüse können die Gestagene diesen Schutz leider nicht vermitteln. Im Gegenteil, an diesem Organ erhöhen sie das östrogenbedingte Brustkrebsrisiko, welches erst dadurch zu einem Problem wird. Im Gegensatz zu der weitläufigen Meinung, die Östrogene seien die "Hauptübeltäter", liegt die Gefahr in der gleichzeitigen Verabreichung beider Substanzen. Die größte, weltweit anerkannte Studie zum Brustkrebsrisiko unter Hormontherapie ist die sogenannte WHI-Studie (Women's Health Initiative Study). Sie und mehrere andere Studien haben belegt, dass Östrogene alleine das Brustkrebsrisiko nicht oder nur minimal erhöhen. Sie können nach der Menopause für 5-7 Jahre verabreicht werden, ohne dass eine Zunahme des Brustkrebsrisikos zu befürchten ist.
Frauen mit starken klimakterischen Beschwerden, denen die Gebärmutter operativ entfernt werden musste, benötigen keine Gestagene und sollten nur mit Östrogenen (= Östrogenmonotherapie ) behandelt werden.


Herzinfarkt-, Schlaganfall- und Thromboserisiko:
Eine Hormonersatztherapie sollte nicht mehr zur Verhinderung von Schlaganfall und Herzinfarkt verabreicht werden. Nach den Erkenntnissen der letzten Jahre gewähren diese Hormone - besonders bei Frauen über 60 mit Risikofaktoren (erhöhter Blutdruck, Raucherinnen, Zuckerkrankheit) - keinen Schutz.

Andererseits müssen jüngere, gesunde Patientinnen (unter 60 Jahren), die menopausennah mit der Therapie beginnen, nicht mit einer Zunahme von Herzinfarkt und Schlaganfall rechnen.

Das Thromboserisiko nimmt leicht zu. Patientinnen mit Krampfadern, Übergewicht, Thrombose in der Anamnese sollten dem "Hormonpflaster" den Vorzug geben.


Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch unter: www.gesundheitsinformation.de


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